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Gesundheitspolitik 2020Unser Gesundheitswesen braucht eine nachhaltige Politik, die auch langfristig Allen den Zugang zu einer guten, bezahlbaren und bürgernahen Gesundheitsversorgung ermöglicht. Dieses Ziel ist heute in Gefahr, denn...
Die wichtigsten Gründe für den laufenden Kostenanstieg liegen in den Fehlanreizen des Versicherungssystems, einem zu umfassenden Leistungskatalog, der Einführung und Diffusion medizinisch-technischer Innovationen sowie im Kantönligeist der Spitalplanung und -finanzierung (vgl. ausführlicher im Übersichtsartikel). Massgeblich für die Situation ist letztlich nicht nur, dass Ärzteschaft und Spitaldirektoren ihre Einkommens- und Auslastungsziele erfolgreich verfolgen, sondern auch die verhängnisvolle Spirale aus steigenden Prämien und Ansprüchen der Versicherten. Verschärfend wirkt zudem die demographische Alterung sowie epidemologische Veränderungen, wie Aids, Diabetes u.a. Der Ansatz zur Lösung dieser Probleme kann nur in einer neuen Gesundheitspolitik liegen, die bis zum Jahre 2020 einen Systemwechsel herbeiführt: «Nachhaltigkeit, Qualität und Bürgernähe lassen sich am besten durch zwei Ingredienzen erreichen, die uns Schweizern wohl vertraut, heute aber im Gesundheitsbereich kaum verbreitet sind: Markt und Demokratie». (zit. Slembeck/Brügger 2006). Leitidee ist dabei jenes Prinzip, wonach eine optimale Versorgung mit kollektiven Leistungen nur dann gewährleistet ist, wenn der gleiche Personenkreis, der die Leistungen nutzt, diese auch finanziert sowie über deren Umfang und Qualität entscheidet. Weder Über- noch Unterversorgung resultiert nur, wenn: Nutzer = Entscheider = Zahler. Die Gesundheitspolitik 2020 stellt deshalb die Gesundheitsgemeinde ins Zentrum. Diese kennzeichnet sich durch folgende Merkmale:
Voraussetzung für Effizienz, Qualität und Bürgernähe der Leistungen der Gesundheitsgemeinde ist, dass sie in demokratischer Selbstbestimmung eigene Verträge mit den Leistungserbringern und Versicherern abschliessen kann. Deshalb besteht 2020 Vertragsfreiheit zwischen Gemeinden, Versicherern und Leistungserbringern. Alle medizinischen und pflegerischen Institutionen sind deshalb zunächst privatrechtlich organisiert. Falls sie dies wollen, können die Gesundheitsgemeinden aber selbst solche Institutionen auf eigene Rechnung betreiben. Sie machen die medizinische Grundversorgung nämlich verfügbar, indem...
Zudem entscheiden die Bürgerinnen und Bürger selbst, welche zusätzlichen Gesundheitsleistungen eingekauft bzw. selbst erstellt werden sollen und wie diese zu finanzieren sind. - Ob z.B. ein neuer Computertomograph angeschafft wird, oder ob das Geld nicht besser für die Spitex oder zusätzliche Gemeindeschwestern auszugeben ist, entscheidet letztlich die Bürgerschaft - denn sie muss diese Leistungen auch über Prämien oder Steuern finanzieren. Die Höhe der erforderlichen Beiträge hängt natürlich vom Umfang der angebotenen Leistungen und deren Qualität ab. Bei Gemeinden, welche die gesamtschweizerisch definierte Mindestversorgung für alle Bürger/innen nicht aus eigenen Mitteln zu finanzieren vermögen, ist ein Finanzausgleich möglich. Durch den garantierten Zugang und die kollektive Finanzierung wird das Sozialziel im Gesundheitsbereich nach wie vor gewährleistet. Die Grösse einer Gesundheitsgemeinde ergibt sich aufgrund räumlicher, sozialer und kultureller Faktoren durch die zu erfüllende Aufgabe. Sie ist damit flexibel, den Bedürfnissen anpassbar und wird nicht zentral gesteuert. Gemeinden können fusionieren oder sich auftrennen. Gesundheitsgemeinden als «Versorgungsräume» dürfen nicht zu klein sein, damit sie ihre Aufgabe effizient erfüllen können und damit ein Risikoausgleich innerhalb der Bürgerschaft möglich ist. Zum Vergleich: sog. «primary care trust» in Grossbritannien umfassen durchschnittlich ca. 100000 Personen. Für die Schweiz könnten sich ca. 70 bis 100 Gemeinden ergeben. Zusammenfassend hat die Gesundheitsgemeinde eine Reihe von Vorteilen und setzt bei den Problemen des heutigen Systems an. Die Vorteile sind insbesondere:
© by T. Slembeck / Health College 2006 Kommentare, Kritik und Anregungen bittte an: slem@healthcollege.ch
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Übersichtsartikel Im Supermarkt der Gesundheit von T.Slembeck und U.Brügger Wir leisten uns das zweitteuerste Gesundheitssystem der Welt. Kein Wunder bei so vielen Fehlanreizen und so wenig Koordination in der Gesundheitspolitik. Es ginge auch anders - mit mehr Markt und mehr Demokratie. Um es vorwegzunehmen: kein Land der Welt verfügt heute über ein «ideales» Gesundheitssystem, auch die Schweiz nicht. Unser System ist uns lieb und teuer. In Umfragen zeigt sich immer wieder, dass die Schweizer Bevölkerung überaus zufrieden mit den Gesundheitsleistungen ist. Besonders die Beziehung zum eigenen Arzt oder der Ärztin wird positiv beurteilt. Dies war allerdings schon vor zehn Jahren so, als die Kosten noch wesentlich tiefer waren. Die Zufriedenheit steigt also nicht mit den Kosten und hängt auch nicht von der Versorgungsdichte ab. In Regionen mit weniger Ärzten pro Kopf der Bevölkerung, etwa der Ost- und der Innerschweiz, fällt das Urteil gleich positiv aus wie in Genf und Basel-Stadt, wo das ärztliche Angebot gut doppelt so hoch ist. Diese Unterschiede im Gesundheitsangebot haben aber Folgen für den Geldbeutel. So betrugen die Kosten in der Grundversicherung im Jahre 2005 im günstigen Appenzell CHF 1864 pro Kopf, im teuren Genf aber CHF 3714. Entsprechend sind die Prämien in Genf etwa doppelt so hoch wie in Appenzell oder Nidwalden... ( weiter lesen > PDF )
erschienen in: Schwerpunkt Gesundheit, Fachmagazin Vorsorge, Winterthur Versicherungen,
Juli 2006, S. 10-12.
¦ PDF auf französisch oder italienisch¦ Was andere zum Schweizer Gesundheitssystem sagen: «The Swiss system of health care has historically undergone few major reforms. This is mainly a result of the political system of referenda which makes any comprehensive reforms difficult to pass into law. The system evolved in largely fragmented and uncoordinated fashion. [..] there still remain some important questions which will have to be resolved by politicians and the people alike:
Auszug aus den Report «Health Care Systems in Transition» des European Observatory on
Health Care Systems 2000 > Bericht als PDF lesen.
Zitat zur Schweizer Gesundheitspolitik «Wer den Nutzen des immensen Aufwands für die Gesundheit hinterfragt, rührt an ein System, an dem viele am liebsten gar nichts ändern möchten. Nur gibt das niemand gerne zu. Mit der Gesundheit macht man schliesslich keine Geschäfte, denn das ist tabu.»
Quelle: Rituale in der Gesundheitspolitik von Markus Trutmann, in: Managed Care, Nr. 1/2006, S. 28.
«Dem Staat ist es nicht möglich, die Interessen der Patienten effizient zu vertreten. Als Akteur läuft er Gefahr, entweder die Kostenseite zu sehr im Auge zu haben, worunter die Qualität der Leistungen leidet. Oder aber die Qualität geniesst oberste Priorität, ohne Rücksicht auf die Kostenfolgen. - Im schlimmsten Fall, wie das in Grossbritannien ersichtlich ist, kommt es zu einer Verschleuderung der eingesetzten Mittel ohne entsprechende Qualitätssteigerung.»
Eva Matter Schaffner, NZZ, 15.8. 06
Politisches Interview mit Gianfranco Domenighetti «Zehn Hautärzte und acht verschiedene Diagnosen» Man schätzt, dass die Wirksamkeit und Zweckmässigkeit nur bei etwa einem Drittel aller medizinischen Leistungen wissenschaftlich bewiesen sind. Warum verschreiben Ärzte so viele Behandlungen, die wissenschaftlich nicht bewiesen sind? Meistens wissen die Ärzte nicht einmal, welche Behandlungen nach den Methoden der Evidenz-basierten Medizin überprüft worden sind. ...mehr (PDF) |
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Presseartikel zur Gesundheitspolitik (PDF download)
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Links zur Gesundheitspolitik |
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Stand: 25.12.06